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Knalltrauma

Knalltrauma


Ursachen, Symptome und Behandlung. Das Knalltrauma wird durch einen kurzen, hohen Schalldruck ausgelöst – wie von einem Schuss oder einem Feuerwerkskörper. Dabei kann es zu Schwerhörigkeit, Tinnitus, Schwindel und Ohrenschmerzen kommen. Die Therapie beim Arzt erfolgt, ähnlich wie einen Hörsturz, durch Infusionen, durchblutungsfördernden Medikamenten und Cortison. Meist sind die Folgen eines Knalltraumas vorübergehend. Nach Abklingen der Symptome können Patienten in der Regel wieder normal hören.

Ein Knallfrosch, eine herunterfallende Vase, ein Pistolenschuss aus nächster Nähe – all das sind typische Ursachen für ein Knalltrauma. Der Knall dringt in Form einer starken Schallwelle in unsere Ohren ein. Im Innenohr angekommen, knickt er die äußeren Haarzellen einfach um. In den meisten Fällen erholen sich die Haarzellen wieder. Kommt es zu Komplikationen, kann der Hörschaden jedoch auch dauerhaft sein.

Knalltrauma, Explosionstrauma und Lärmtrauma

Grundsätzlich unterscheidet man mehrere Arten von akustischen Traumata:

  • Das Knalltrauma beschreibt einen Hörschaden, der durch einen sehr kurzen Impulsschall entsteht und eine Schädigung der Haarzellen verursacht. Laut Definition beträgt die Dauer des Schalls dabei zwischen einer und drei Millisekunden, während die Lautstärke zwischen 135 Dezibel und 165 Dezibel liegt.
  • Als Explosionstrauma bezeichnet man einen Schallimpuls, der Verletzungen des Trommelfells und der Gehörknöchelchen zur Folge hat. Beim Explosionstrauma ist die Dauer des Schallimpulses in der Regel länger als drei Millisekunden. Einen Schädigung der Haarzellen, wie es beim Knalltrauma der Fall ist, liegt oft zusätzlich vor. Explosionstraumata können bei Gasexplosionen entstehen, aber auch bei Konzertbesuchen mit extrem hohem Geräuschpegel.
  • Das akute Lärmtrauma liegt vor, wenn ein hoher Schallpegel von mehr als 140 Dezibel die Haarzellen in der Gehörschnecke schädigt.
  • Von einem chronischen Schalltrauma bzw. einer Lärmschwerhörigkeit spricht man, wenn das Ohr durch einen Lärmpegel von über 85 Dezibel über eine lange Zeit hinweg belastet wurde. Lärmschwerhörigkeit gehört zu den am weitesten verbreiteten Berufskrankheiten und ist eine der Hauptursachen für Hörprobleme überhaupt. Im Unterschied zum Knalltrauma, Explosionstrauma und akutem Lärmtrauma ist das chronische Schalltrauma nicht heilbar. Moderne Hörgeräte können dem Hörverlust jedoch entgegenwirken.

Körpereigener Schutz vor Lärmüberlastung

Unser Ohr verfügt über einen Schutzmechanismus gegen Impulsschall, wie er bei einem Knall entsteht – der sogenannte Stapediusreflex. Bei einem Schallpegel zwischen 70 Dezibel und 95 Dezibel sorgen zwei Muskeln im Mittelohr dafür, dass das Trommelfell gespannt wird und der Steigbügel sich verkantet. So wird der Schall für etwa 50 Millisekunden gedämpft ins Innenohr übertragen. Bei einem Schallpegel von über 95 Dezibel reicht der Stapediusreflex jedoch nicht mehr aus, um die Haarzellen vor Schäden zu bewahren. Ein Gewehrschuss beispielsweise erreicht einen Schallpegel von 130 Dezibel bis 170 Dezibel – also weitaus höher, als der Stapediusreflex dämpfen kann.

Symptome

Ob bei einem Knall tatsächlich ein Knalltrauma verursacht wurde, zeigt sich meist recht eindeutig angesichts der typischen Symptome. Dazu gehören:

  • Plötzliche Schwerhörigkeit bis hin zum völligen Hörverlust
  • Druck- und Verstopfungsgefühl im Ohr
  • Hohes Pfeifen im Ohr (Tinnitus)
  • Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
  • Ohrenschmerzen
  • Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis)

Das Knalltrauma kann beide Ohren betreffen oder nur ein Ohr – je nachdem, wie weit die Ohren jeweils von der Geräuschquelle entfernt waren. Häufig sind auch beide Ohren in unterschiedlicher Intensität betroffen. Während die Ohrenschmerzen meist nur kurz und stechend sind, halten die plötzliche Schwerhörigkeit und der Tinnitus länger an. Charakteristisch für ein Knalltrauma ist eine Hörschwäche im Bereich hochfrequenter Töne. Ebenso werden sehr leise Geräusche nur noch schlecht gehört. Gleichzeitig reagiert das überlastete Gehör jedoch bei lauteren Tönen extrem empfindlich – sie können zum Teil körperlichen Schmerz verursachen.

Je nach Schwere der Innenohrschädigung können die Symptome unterschiedlich lange anhalten. Meist sind sie in den ersten Stunden nach dem Hörtrauma am deutlichsten und klingen in den darauf folgenden Tagen langsam ab. In der Regel sind die Folgen des Traumas innerhalb von etwa sechs Wochen überwunden. Im schlimmsten Fall sind die Haarzellen jedoch irreversibel zerstört und der Hörverlust ist dauerhaft. Zeigt sich nach dieser Zeit noch keine Verbesserung, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Hörschaden chronisch ist. Dann spricht man von einer Lärmschwerhörigkeit.

Der akustische Schock

Nicht mit einem Knalltrauma zu verwechseln ist der sogenannte akustische Schock oder auch acoustic shock. Dieses Phänomen ist vor allem Menschen bekannt, die ihrem Beruf viel mit Telefon und Headset arbeiten. Häufige Ursachen sind plötzliche, laute Geräusche durch den Telefonhörer oder den Kopfhörer – wie beispielsweise ein Faxsignal oder ein Knacken in der Leitung. Das kann einen unangenehmen Druck oder ein Brennen im Ohr, Ohrgeräusche, Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen auslösen. Doch der Schallpegel liegt dabei meist deutlich unter dem, der ein Knalltrauma auslöst. Das Hören wird in der Regel nicht beeinträchtigt und die Symptome verschwinden meist nach kurzer Zeit wieder.

Diagnose

Bei Verdacht auf ein Knalltrauma sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Der HNO-Facharzt führt verschiedene Untersuchungen und Hörtests durch, um die Diagnose zu stellen. Beim Audiogramm werden dem Patienten über einen Kopfhörer Töne unterschiedlicher Frequenzen in anschwellender Lautstärke vorgespielt. So findet er heraus, wie der Patient in den unterschiedlichen Frequenzbereichen hören kann. Typisch für ein Knalltrauma ist eine Hörschwäche in den höheren Frequenzen um 4000 Hertz.

Gehörschutz zur Vorbeugung eines Knalltraumas

Die Ursachen eines Knalltraumas treffen uns oft unerwartet – beispielsweise, wenn der Airbag ausgelöst wird, ein Autoreifen platzt oder wir bei einem Unfall einen festen Schlag auf das Ohr erleiden. Doch es gibt auch Situationen, in denen mit starkem Impulsschall zu rechnen ist – bei Feuerwerken, auf der Jagd oder beim Schießsport.

Halten Sie in derartigen Situationen genügend Abstand zur Quelle der lauten Geräusche. Bei Jägern und Sportschützen hilft ein aktiver Gehörschutz dabei, die Ohren vor Schäden zu bewahren. Diese elektronischen Ohrenschützer messen die Umgebungslautstärke permanent und fahren die Dämmleistung bei einem Knall sofort kurzfristig hoch. Gleichzeitig kann Sprache weiterhin gut gehört werden. Nützliche Geräusche wie ein Rascheln im Unterholz werden verstärkt.

Therapie

Generell gilt: Je schneller die Behandlung des Knalltrauma begonnen wird, desto besser ist die Prognose. Als erste Maßnahmen werden, ähnlich wie beim Hörsturz, Infusionen und durchblutungsfördernde Medikamente verabreicht. Auf diese Weise soll die Sauerstoffversorgung der Haarzellen sichergestellt werden, damit diese sich besser regenerieren können. Auch Cortison wird häufig eingesetzt. Führt diese Behandlung nicht zum gewünschten Erfolg, wird eine Sauerstofftherapie eingeleitet. Eine Operation ist in der Regel nicht nötig, sofern durch den Schalldruck keine Fisteln im Innenohr entstanden sind. Während die Symptome anhalten, sollte das Gehör möglichst geschont werden. Das bedeutet: Laute Umgebungen konsequent meiden und den Ohren viel Ruhe gönnen.

Prognose

Von allen akustischen Traumata hat das Knalltrauma die beste Prognose. Bei einem Geräuschpegel von unter 140 Dezibel sind bleibende Hörschäden sehr unwahrscheinlich. Bei Schalldruckwellen von über 140 Dezibel oder bei Komplikationen können jedoch auch beim Knalltrauma dauerhafte Probleme mit dem Hören zurückbleiben.

Hörgeräte bei Lärmschwerhörigkeit

Sollte es nach einem Knalltrauma doch zu einer dauerhaften Lärmschwerhörigkeit kommen, können moderne Hörgeräte das Hören verbessern und die Lebensqualität damit erheblich steigern. Auch zur Therapie von Tinnitus werden Hörgeräte eingesetzt – ein spezieller Tinnitus Noiser wirkt den quälenden Ohrgeräuschen effektiv entgegen. Bei allen Fragen rund um Hörgeräte und Tinnitus Noiser wenden Sie sich an Ihren HNO-Facharzt oder Hörgeräteakustiker!

Knalltrauma zusammengefasst

  • Das Knalltrauma gehört zu den akustischen Traumata. Es wird durch einen kurzzeitigen, hohen Schallpegel ausgelöst.
  • Ursachen für ein Knalltrauma können Feuerwerkskörper, Schüsse, platzende Autoreifen, aber auch Gewalteinwirkung auf das Ohr sein.
  • Beim Knalltrauma werden die äußeren Haarzellen der Cochlea umgeknickt.
  • Weitere akustische Traumata sind das Explosionstrauma und das akute Lärmtrauma. Im Vergleich zum Knalltrauma ist die Prognose beim Explosionstrauma und akuten Lärmtrauma schlechter.
  • Ein chronisches Lärmtrauma wird auch als Lärmschwerhörigkeit bezeichnet. Diese Form der Hörschädigung ist dauerhaft und nicht reversibel. Moderne Hörgeräte wirken dem Hörverlust jedoch effektiv entgegen.
  • Symptome des Knalltraumas sind plötzliche Schwerhörigkeit, Tinnitus, ein Druck- oder Verstopfungsgefühl im Ohr, Geräuschempfindlichkeit, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.
  • Bei Verdacht auf Knalltrauma sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Je eher die Therapie eingeleitet wird, desto besser ist die Prognose.
  • Der Arzt führt zur Diagnosestellung ein Audiogramm durch. Typisch für das Knalltrauma ist eine Hörschwäche im Bereich der höheren Frequenzen.
  • Zur Behandlung werden, wie auch beim Hörsturz, Infusionen, durchblutungsfördernden Medikamenten und Cortison eingesetzt.
  • In der Regel klingen die Symptome nach etwa 6 Wochen ab. Komplikationen sind eher selten.
  • Zur Vorbeugung sollte, wenn möglich, stets Abstand zu lauten Geräuschen gehalten oder ein Gehörschutz getragen werden.

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