HörenKrankheiten

Ohrenentzündung

Umgangssprachlich wird sie oft als „Ohrenentzündung“ bezeichnet: Eine Infektion des Äußeren Gehörganges (Otitis Externa) oder des Mittelohres (Otitis Media). Beide sind nicht nur schmerzhaft, sondern können auch zu Komplikationen führen, wenn sie nicht richtig behandelt werden. Warum man mit einer Ohrenentzündung immer zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt sollte und wie man diesen Krankheiten vorbeugen kann, lesen Sie hier.

Als „Ohrenentzündung“ bezeichnet man infektiöse Prozesse in den anatomischen Strukturen des Ohres – und von ihnen kann jeder Bereich betroffen sein. Häufig ist es das Außenohr oder das Mittelohr, das sich entzündet. Eine Gehörgangsentzündung wird in der Medizin als Otitis Externa bezeichnet, eine Mittelohrentzündung als Otitis Media. Auch das Innenohr kann von einer Entzündung betroffen sein (Labyrinthitis), dies kommt aber seltener vor. Je nachdem, welcher Teil des Ohres entzündet ist, können die Symptome sehr unterschiedlich sein.

Ohrenentzündung: Infektion des Außenohres (Otitis Externa)

Zum Außenohr gehören alle von außen sichtbaren Teile des Ohres: Die Ohrmuschel, das Ohrläppchen und der Äußere Gehörgang. Bei einer Außenohrinfektion ist meist der Gehörgang entzündet, denn hier können sich Keime besonders gut ansiedeln.

Zu den typischen Symptomen einer Entzündung im Gehörgang gehören:

  • Ohrenschmerzen: Die Haut im Gehörgang kann gerötet sein und heiß werden. Das führt zu brennenden, teilweise starken Ohrenschmerzen.
  • Ohrenausfluss: Häufig kommt es zu eitrigem oder leicht blutigem Ausfluss aus dem betroffenen Ohr. Vorher werden oft kleine Krusten oder Schuppen auf der Haut beobachtet.
  • Ohrenjucken: Nisten sich Bakterien in der entzündeten Haut ein, kann ein extrem unangenehmer Juckreiz auftreten.
  • Hörminderung: Schwillt die Haut durch die Entzündung an, kann es zu einer gedämpften Hörempfindung kommen. Das Ohr fühlt sich an wie verstopft, Geräusche klingen dumpf.

In manchen Fällen können außerdem Fieber, Schwindel und Übelkeit hinzukommen. Bei Verdacht auf eine Gehörgangs-Infektion sollte man den HNO-Arzt aufsuchen. Er kann den Gehörgang fachmännisch reinigen, desinfizieren und mit antiseptischen Medikamenten versorgen. Falls ein Ohrenpfropfen die Ursache war, kann er ihn schonend entfernen. Bleibt eine Gehörgangsentzündung unbehandelt, kann sie sich ausbreiten und auf das Mittelohr und Innenohr übergreifen.

Eine Außenohrentzündung entsteht meist durch kleine Verletzungen der Haut des Gehörgangs, in die sich Bakterien einnisten. Bestimmte Risikofaktoren können die Entstehung einer Entzündung im Gehörgang begünstigen:

  • Wattestäbchen: Die unfachmännische Anwendung von Ohrenstäbchen kann die Haut reizen. Wattestäbchen sollten daher niemals in den Gehörgang geschoben werden!
  • Ohrenschmalz-Mangel: Werden die Ohren zu häufig gereinigt, entsteht möglicherweise ein Mangel an Cerumen. Dieses ist jedoch wichtig, um die Haut im Gehörgang geschmeidig und gesund zu erhalten, zudem wirkt er gegen Keime und Pilzsporen. Bei einer normalen Ohrenschmalz-Produktion müssen die Ohren nicht gereinigt werden.
  • Feuchtigkeit: Werden die Ohren nach dem Baden nicht gründlich genug getrocknet, kann die zurückbleibende Feuchtigkeit die Haut aufweichen. Die Nässe bietet einen hervorragenden Nährboden für Keime. In der Medizin spricht man daher auch häufig von einem „Schwimmer-Ohr“.
  • Hörgeräte, Ohrenstöpsel und In-Ear-Kopfhörer: Diese Gegenstände können die Belüftung des Ohres teilweise vermindern. Für Menschen, die regelmäßig Hörgeräte, Ohrenstöpsel oder In-Ear-Kopfhörer nutzen, ist eine gewissenhafte Ohrenhygiene deshalb wichtig.

Es gibt noch viele weitere Risikofaktoren, beispielsweise Diabetes Mellitus, ein allgemein schwaches Immunsystem oder allergische Reaktionen. Wer von Natur aus einen eher engen Ohrenkanal hat, leidet ebenfalls häufiger unter Entzündungen. Übrigens: Die Gehörgangsentzündung gehört zu den ansteckenden Krankheiten – deshalb ist in jedem Fall Vorsicht geboten.

Ohrenentzündung: Infektion des Mittelohres

Eine Mittelohrentzündung tritt vor allem bei Kindern oft auf, doch auch Erwachsene sind betroffen. Auslöser ist meist eine Erkältung: Dabei schwellen die Schleimhäute der Ohrentrompete an und die Mittelohrhöhle kann nicht mehr richtig belüftet werden. Keime können sich einlagern. Zudem entsteht ein Unterdruck im Ohr, der Sekret aus der Schleimhaut saugt. In diesem Fall spricht man von einem Paukenerguss oder Mittelohrerguss.

Doch die Erreger können auch von einer Nasennebenhöhlenentzündung oder einer Gehörgangsentzündung in die Mittelohrhöhle vordringen. Ein Riss im Trommelfell, beispielsweise durch einen Fremdkörper oder eine Druckverletzung, kann ebenfalls Bakterien das Eindringen ermöglichen.

Typische Symptome einer Mittelohrentzündung sind:

  • Ohrenschmerzen: Eine Mittelohrentzündung kann extrem schmerzhaft sein. Gute Hausmittel gegen die Schmerzen sind Zwiebelsäckchen und warme Kirschkernkissen.
  • Druck auf den Ohren: Durch den Erguss im Ohr kann es zu einem unangenehmen Ohrendruck kommen.
  • Hörminderung: Entzündungen und Schleimhautschwellungen können zu Hörverlust führen.
  • Ohrengeräusche: Ein Klopfen, Pochen oder Piepen im Ohr kann bei Mittelohrentzündung ebenfalls auftreten.

Auch Schwindelgefühle, Übelkeit und Fieber können eine Mittelohrentzündung begleiten. In jedem Fall sollte bei diesen Symptomen eine HNO-Praxis aufgesucht werden. Wird die Infektion nicht behandelt, kann sie im schlimmsten Fall auch das Gehirn angreifen und eine Meningitis verursachen.

Der HNO-Arzt sorgt mit abschwellenden Sprays für eine ausreichende Belüftung des Ohres, oft kommt eine Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten oder Antibiotika zum Einsatz. Bei einem Paukenerguss kann ein Schnitt ins Trommelfell helfen, der das Sekret abfließen lässt. Sogenannte Paukenröhrchen helfen dabei, die Mittelohrhöhle zu belüften und nachfließendes Sekret ablaufen zu lassen.

Abschwellende Nasensprays sind eine der wichtigsten Maßnahmen, um Mittelohrentzündungen vorzubeugen. Bei einem Schnupfen sollte darauf geachtet werden, dass die Nase stets frei bleibt.

Ohrenentzündung: Infektion des Innenohres

Das Innenohr liegt in einer schneckenförmig gewundenen, knöchernen Schädelhöhle und ist gut geschützt gegen das Eindringen von Krankheitserregern. Doch eine unbehandelte Mittelohrentzündung kann auf das Innenohr übergreifen. Auch eine Hirnhautinfektion kann sich auf das Innenohr ausdehnen. Bei Masern oder Mumps kann das Innenohr ebenfalls betroffen sein. Typische Symptome sind Schwindelgefühle, Übelkeit und Erbrechen, oft auch Ohrengeräusche und Hörverlust.

Derartige Beschwerden müssen immer schnellstmöglich von einem HNO-Arzt abgeklärt werden. Eine Behandlung mit Antibiotika, Cortison und durchblutungsfördernden Mitteln kann meist zu einer vollständigen Heilung führen. In einigen Fällen kann das Hörvermögen jedoch dauerhaft beeinträchtigt sein. Hier sollten möglichst schnell moderne Hörgeräte eingesetzt werden, damit das Gehirn das Hören nicht verlernt.

Ohrenentzündung zusammengefasst:

  • Eine Ohrenentzündung kann alle anatomischen Strukturen des Ohres betreffen.
  • Eine Außenohrentzündung wird auch als Gehörgangsentzündung bezeichnet und äußert sich durch Ohrenjucken, Ohrenschmerzen und Ohrenausfluss.
  • Risikofaktoren für eine Außenohrentzündung sind vor allem die unfachmännische Anwendung von Wattestäbchen, einer übertrieben Ohrenhygiene oder häufiges Schwimmen.
  • Als Behandlung nimmt der HNO-Arzt eine Reinigung und Desinfektion des Ohrenkanals vor und setzt antiseptische Medikamente ein.
  • Eine Mittelohrentzündung äußert sich ebenfalls durch starke Ohrenschmerzen, die häufig pochend sind und manchmal von Tinnitus und Fieber begleitet werden.
  • Zur Vorbeugung sollten bei Schnupfen stets ein abschwellendes Nasenspray benutzt werden, damit die Mittelohrhöhle belüftet werden kann.
  • Innenohrentzündungen sind eher selten und resultieren meist aus einer verschleppten Mittelohrentzündung.
  • Die Therapie besteht aus Antibiotika, Cortison und blutverdünnenden Medikamenten.
  • Bei einer Innenohrentzündung können Hörschäden zurückbleiben, die mit einem Hörgerät versorgt werden sollten.

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