schwerhoerigkeit

Ursachen, Formen und Behandlung bei Hörstörungen. Schwerhörigkeit (Hypakusis) tritt öfter auf, als man denkt. Schätzungen zufolge sind 15 Millionen Menschen in Deutschland schwerhörig. Vor allem Hörschäden durch Lärm sind weit verbreitet: In der Berufswelt ist die Lärmschwerhörigkeit der häufigste körperliche Schaden. Jedes Jahr verzeichnen die Berufsgenossenschaften 12.000 neue Verdachtsfälle. Welche Ursachen zu Hörverlust führen können, welche Formen der Schwerhörigkeit es gibt und wie der Alltag mit einer Hörstörung bewältigt werden kann, lesen Sie hier.

Schwerhörigkeit gilt häufig als Alterserkrankung. Das ist nur bedingt richtig: Zwar tritt die sogenannte Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) ab dem fünfzigsten Lebensjahr auf. Doch auch jüngere Leute können unter einem Hörverlust leiden – beispielsweise durch Krankheiten, zu hohe Lärmbelastung oder Unfälle. Manche Betroffenen sind von Geburt an schwerhörig oder gehörlos. Ursache sind oft Fehlbildungen der Ohren oder genetisch bedingte Krankheiten.

Ab wann ist man eigentlich schwerhörig?

Bei Schwerhörigkeit macht man folgende graduelle Abstufungen:

  • Leichtgradiger Hörverlust: Von einem geringen Hörverlust spricht man, wenn der Betroffene Töne 20 bis 40 Dezibel später wahrnimmt als ein Mensch mit normalem Hörvermögen. Mit geringem Hörverlust können Geräusche unter 25 Dezibel nicht mehr wahrgenommen werden. Solche Geräusche sind zum Beispiel leises Atmen, das Ticken einer Armbanduhr oder auch Flüstern.
  • Mittelgradiger Hörverlust: Bei einer mittelgradigen Schwerhörigkeit beträgt die Hörminderung 40 bis 60 Dezibel. Patienten können nur noch Geräusche hören, die mehr als 40 bis 60 Dezibel laut sind. Leise Musik oder normale Wohnungsgeräusche werden meist schon nicht mehr wahrgenommen. Auch die Kommunikation ist meist beeinträchtigt, denn die Lautstärke eines normalen Gesprächs liegt bei etwa 55 bis 65 Dezibel.
  • Hochgradige Schwerhörigkeit: Wenn Sie unter einem Hörverlust von mehr als 60 Dezibel leiden, ist Ihre Schwerhörigkeit hochgradig ausgeprägt. Bei einer so starken Hörminderung ist der Alltag massiv beeinträchtigt: Normale Sprachlautstärke, Telefon- oder Türklingel werden nicht mehr wahrgenommen.
  • An Gehörlosigkeit grenzende Schwerhörigkeit: Dies ist die am stärksten ausgeprägte Form der Schwerhörigkeit. Sie beginnt bei einem Hörverlust von 80 Dezibel. Bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit hören Patienten weder Gespräche in normaler Lautstärke, noch den Fernseher, laute Musik oder Verkehrslärm.
  • Gehörlosigkeit: Wenn ein Mensch über keinerlei Hörvermögen verfügt.

Schwerhörigkeit und Fehlhörigkeit

Neben der Schwerhörigkeit gibt es noch andere Arten der Fehlhörigkeit (Hypakusis). Diese Formen der Hörminderung äußern sich beispielsweise durch ein verzerrtes Hörempfinden oder ein übersensibles Gehör. Auch derartige Hörprobleme werden vom HNO-Facharzt behandelt.

Schwerhörigkeit wird häufig erst spät bemerkt

Die medizinische Versorgung von Hörschäden hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm weiterentwickelt. Das gilt für die Behandlung von therapierbaren Krankheiten ebenso wie für Alltagsunterstützung und Kompensation bei irreversiblen Hörschäden. Hochmoderne, digitale Hörhilfen können das Leben von Schwerhörigen erheblich erleichtern.

Das Problem: Oft werden Gehörschäden erst sehr spät bemerkt. Denn Schwerhörigkeit beginnt meist schleichend, so dass den Betroffenen kein Unterschied im Höralltag auffällt. Es sind anfangs nur bestimmte Frequenzen, die nicht mehr wahrgenommen werden. Geräusche klingen also einfach etwas anders als gewöhnlich; sehr leise Geräusche werden nicht mehr wahrgenommen. Darüber hinaus setzt ein gewisser Gewöhnungseffekt ein und sorgt dafür, dass zunehmende Hörprobleme lange unerkannt bleiben. Häufig ist es das Umfeld des Schwerhörigen, das den Hörverlust als erstes feststellt.

Hörverlust bei Kindern

Schwerhörigkeit bei jüngeren Kindern ist besonders folgenschwer. Die Entwicklung des Sprachverstehens ist bei ihnen noch nicht abgeschlossen und kann durch einen Hörverlust beeinträchtigt werden. Deshalb sollten Eltern für die Symptome von Hörstörungen besonders sensibel sein und bei Verdacht umgehend einen HNO-Facharzt aufsuchen.

Symptome: Woran erkennt man, dass man schwerhörig ist?

Wie fühlt es sich an, schwerhörig zu sein? Und woran erkennt man, dass die Ohren nicht mehr richtig funktionieren? Es gibt einige Fragen, anhand derer Sie erste Hinweise darauf ableiten können, ob bei Ihnen möglicherweise ein beginnender Hörverlust vorliegt:

  • Müssen Sie bei Gesprächen in geräuschvoller Umgebung – zum Beispiel im Restaurant – häufiger nachfragen, weil sie etwas nicht verstanden haben?
  • Haben Sie bei Gruppengesprächen – zum Beispiel bei geschäftlichen Meetings – manchmal Schwierigkeiten, zu folgen?
  • Überhören Sie häufiger das Klingeln Ihres Telefons?
  • Werden Sie manchmal von anderen darauf angesprochen, dass Sie mit sehr lauter Stimme reden oder dass Ihr Fernseher auf sehr hoher Lautstärke eingestellt ist?
  • Leiden Sie unter Ohrensausen oder Pfeifgeräuschen im Ohr (Tinnitus)?

Beginnende Schwerhörigkeit und Hochtonschwerhörigkeit

Charakteristisch bei einer beginnenden Schwerhörigkeit ist vor allem, dass Betroffene Geräusche nicht mehr so gut voneinander unterscheiden können. Das liegt daran, dass sie bestimmte Frequenzbereiche schlechter hören – und Geräusche damit nicht mehr so ein eindeutiges Klangprofil haben. Meist sind bei beginnender Schwerhörigkeit vor allem die hohen Frequenzbereiche betroffen – man spricht daher von einer sogenannten Hochtonschwerhörigkeit. Im Alltag bemerken Sie eine Hochtonschwerhörigkeit beispielsweise daran, dass Sie bei Gesprächen Zischlaute wie „s“ oder „sch“ nicht mehr so gut hören können. Auch Telefonklingeln oder Kinderstimmen werden undeutlich wahrgenommen.

Bei Hörproblemen immer zum HNO-Facharzt

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie unter einer Hörstörung leiden, sollten Sie Ihren HNO-Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere dann, wenn zu den Hörproblemen andere Symptome wie Ohrenschmerzen, Jucken im Gehörgang oder Fieber hinzukommen. Unbehandelte Krankheiten wie Gehörgangsentzündungen können unter Umständen lebensgefährlich werden. Mit verschiedenen Untersuchungsmethoden und einem Hörtest klärt der Arzt, ob Sie schwerhörig sind und unter welcher Art der Schwerhörigkeit Sie leiden.

Bei schleichendem Hörverlust nicht zu lange warten!

Auch bei einem schleichenden Hörverlust sollten Sie mit dem Arztbesuch nicht zu lange warten! Denn je länger Ihre Schwerhörigkeit andauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Gehirn die Verarbeitung der Signale auf den entsprechenden Frequenzen verlernt. Und desto größer ist das Risiko, dass Ihr Hörvermögen nicht mehr vollständig wiederhergestellt werden kann.

Unterschiedliche Arten und Ursachen von Schwerhörigkeit

Es gibt viele verschiedene Ursachen, die zu Schwerhörigkeit führen können – und entsprechend auch unterschiedliche Arten der Schwerhörigkeit. Der Arzt stellt eine genaue Diagnose, um danach eine therapeutische Behandlung und Hörversorgung einleiten zu können. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen

  • Schallleitungsschwerhörigkeit: Bei dieser Form der Schwerhörigkeit ist die Übertragung der Schallwellen gestört. Der Schall kommt also nicht mehr vollständig im Innenohr an, um dort verarbeitet zu werden. Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kann unterschiedliche Gründe haben, die meist im Außenohr oder Mittelohr liegen. Häufige Ursachen sind:
    • Fremdkörper im Gehörgang
    • Ablagerungen von Ohrenschmalz (Cerumen) im Gehörgang
    • Tumore oder Knochenwucherungen
    • Paukenerguss
    • Mittelohrentzündung
    • Gehörgangsentzündung
    • Otosklerose
    • Mastoiditis
    • Riss im Trommelfell
    • Fehlbildungen des Gehörgangs
  • Innenohrschwerhörigkeit: Bei dieser Form der Schwerhörigkeit ist die Funktion des Innenohrs beeinträchtigt. Der Schall kann zwar – anders als bei der Schallleitungsschwerhörigkeit – vom Außenohr übers Mittelohr ins Innenohr gelangen. Dort wird das Signal aber nicht mehr an den Hörnerv weitergeleitet. Deshalb wird die Innenohrschwerhörigkeit auch als Schallempfindungsschwerhörigkeit bezeichnet. Folgende Ursachen liegen häufig zugrunde:
    • Zerstörung der Haarsinneszellen durch Lärm (Lärmschäden)
    • Zerstörung der Haarsinneszellen durch degenerative Prozesse (Altersschwerhörigkeit)
    • Gehirnerschütterungen und Schädelverletzungen
    • Tumore im Innenohr
    • Hirnhautentzündung
    • Hörsturz und Menièrsche Krankheit
    • Fehlbildungen des Innenohrs oder nicht ausgebildeter Hörnerv
    • Gestörte Impulsübertragung der Haarzellen an den Hörnerv

Schallwahrnehmungsschwerhörigkeit

Die Ursache für diese Form der Schwerhörigkeit liegt nicht im Gehör selbst, sondern im Gehirn. Das Gehör leitet den Schall zwar ungehindert weiter und auch das Innenohr funktioniert einwandfrei, doch das Hirn kann die Signale nicht interpretieren. Damit fällt die Schallwahrnehmungsschwerhörigkeit in den Bereich der neurologischen Störungen. Auslöser für eine Schallwahrnehmungsschwerhörigkeit kann ein Schlaganfall, eine Blutung im Gehirn oder ein Schädel-Hirn-Trauma sein.

Alltagsbewältigung für Schwerhörige

Der Alltag ist für Schwerhörige eine Herausforderung. Vieles, das Normalhörende für selbstverständlich halten, ist nicht mehr uneingeschränkt möglich: Gespräche führen, das Klingeln von Telefon oder Türklingel hören, Sendungen im Fernsehen oder im Radio verfolgen. Zudem ist eine Schwerhörigkeit immer mit erhöhten Risiken verbunden, denn beispielsweise Fahrradklingeln oder das Geräusch nahender Autos können ebenfalls nicht mehr wahrgenommen werden. Belastend ist für Betroffene insbesondere, dass Sie am sozialen Leben nur noch eingeschränkt teilnehmen können. Wird die Schwerhörigkeit von Tinnitus begleitet, schafft das zusätzlichen Leidensdruck – denn das Pfeifen im Ohr kann unerträglich werden.

Die gute Nachricht: Dank neuester audiotechnologischer Möglichkeiten kann heute nahezu jedem, der unter einem Hörverlust leidet, geholfen werden. Durch moderne Hörgeräte werden Hörstörungen effektiv entgegengewirkt – das gilt auch für Tinnitus. In vielen Fällen kann das Hörvermögen damit vollständig wiederhergestellt werden. In fast allen Fällen wird der Alltag erheblich erleichtert und die Lebensqualität maßgeblich verbessert.

Krankenversicherungen zahlen für Ihr Hörgerät

Wenn Sie unter einer Schwerhörigkeit leiden, sollten Sie nicht zögern, einen Hörgeräteakustiker aufzusuchen. Moderne Hörgeräte sind ausgesprochen diskret, komfortabel, leistungsstark und wirken Hörstörungen effektiv entgegen. Dank der Kostenübernahme der Krankenkassen erhalten Sie hochentwickelte, volldigitale Hörhilfen sogar kostenlos – Sie müssen lediglich die private Zuzahlung von 10 Euro pro Hörgerät leisten. Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Hörgeräteakustiker!

Schwerhörigkeit zusammengefasst:

  • Schwerhörigkeit betrifft rund 15 Millionen Menschen in Deutschland.
  • Man unterscheidet fünf Grade der Schwerhörigkeit – von geringfügigem Hörverlust bis zu vollständiger Gehörlosigkeit.
  • Häufige Ursachen für Schwerhörigkeit sind Lärmschäden, Erkrankungen und Altersschwerhörigkeit.
  • Man unterscheidet zwischen Schallleitungsschwerhörigkeit, Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohrschwerhörigkeit) und Schallwahrnehmungsschwerhörigkeit.
  • Bei Verdacht auf Schwerhörigkeit sollte immer ein HNO-Facharzt aufgesucht werden.
  • Der Arzt führt Untersuchungen und einen Hörtest durch, stellt die Diagnose und verordnet die Therapie. Außerdem verschreibt er gegebenenfalls ein Hörgerät.
  • Auch bei schleichendem Hörverlust sollte nicht zu lange gewartet werden, da das Gehirn die Verarbeitung von Signalen aus bestimmten Frequenzbereichen verlernen kann.
  • Mit modernen Hörgeräten kann eine Schwerhörigkeit effektiv entgegengewirkt werden. Weitere Informationen zu Hörhilfen erhalten Sie bei Ihrem Hörakustiker.

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